Der Tod der Genres – die Demokratisierung der Musik

Der Tod der Genres – die Demokratisierung der Musik

Warum wir nicht mehr von Retro sprechen sollten, wieso nur noch Privat-Stile statt Genres entstehen, weshalb Jugendkulturen unmöglich geworden sind und was wir LSD zu verdanken haben  

Ich hab da so ’ne Theorie: Seit der Jahrtausendwende gibt es keine neuen Musikgenres mehr, und es wird vermutlich auch keine neuen mehr geben. Gekommen ist mir dieser Gedanke, als ich überlegte, was eigentlich das Spezifische der Rock- und Pop-Musik der 2000er Dekade (auch Nuller-Jahre genannt) war, doch mir fiel kaum etwas ein. Sicher, es gab viele denkwürdige Bands, Alben und Songs, die diese Zeit geprägt haben, aber irgendwie ließen sich daraus keine größeren Linien spinnen, jedenfalls nicht so, wie bei früheren Jahrzehnten.

Seit dem Beginn der modernen Rock- und Pop-Musik etwa ab den 50er Jahren kann man feststellen, dass jedes Jahrzehnt zahlreiche neue Musikgenres hervorgebracht hat: Genres, die nicht nur ein Substil eines älteren Genres waren, sondern etwas so noch nie Dagewesenes mit einem ganz eigenen Klang und einer neuen Zielgruppe, die eine eigene Subkultur pflegte. Auch haben fast alle dieser Jahrzehnte einen bestimmten Klang, den man sofort zuordnen konnte; heute hingegen hört man Songs im Radio, von denen man kaum sagen kann, ob sie 2013 oder in den 60ern oder 80ern produziert wurden.

Zur Verdeutlichung habe ich eine kleine Aufstellung der bisherigen Jahrzehnte gemacht; ich habe dabei die jeweiligen Genres in den Dekaden verortet, in denen sie sich etabliert haben, die exakte Entstehungszeit liegt manchmal noch ein Jahrzehnt früher oder im Grenzbereich dazu.

50er Jahre

Soul (Sam Cooke, James Brown, Ella Fitzgerald)
Rock ’n’ Roll (Chuck Berry, Elvis Presley, Little Richard)
Doo Wop (The Clovers, The Dominoes, The Five Keys)
Hard Bop (John Coltrane, Thelonius Monk)

60er Jahre

Beat (The Beatles, The Rolling Stones, The Kinks)
Surfrock (The Impacts, Dick Dale, The Chantays)
Garage (The Sonics, The Stooges, The Seeds)
Bluesrock (Fleetwood Mac, Alexis Korner, John Mayall)
Folkrock (Fairport Convention, The Byrds)
Psychedelic Rock (Jimi Hendrix, Cream, Grateful Dead)
Jazzrock (Frank Zappa, Miles Davis)
Reggae (Bob Marley, Peter Tosh)

70er Jahre

Hardrock (Led Zeppelin, Black Sabbath, Deep Purple)
Glamrock (David Bowie, T-Rex, Roxy Music)
Progressive Rock (Genesis, Yes, King Crimson)
Krautrock (Can, Amon Düül II, Faust)
Elektronische Musik (Kraftwerk, Tangerine Dream, Klaus Schulze)
Funk (Curtis Mayfield, Sly & The Family Stone, Pairlament)
Disco (Donna Summer, Earth, Wind And Fire, Chic)
Punk (Ramones, The Clash, Sex Pistols)
New Wave (Talking Heads, The Jam, Devo)

80er Jahre

Metal (Iron Maiden, Saxon, Metallica)
Postpunk (Joy Divison, The Fall, Swans)
Gothic (The Cure, Bauhaus, Siouxsie and the Banshees)
Alternative Rock (Pixies, The Smiths, REM)
Industrial (Einstürzende Neubauten, Coil)
Hip Hop (Grandmaster Flash, Public Enemy, Run DMC)
Techno (Underworld, Orbital)
House (Frankie Knuckles, Marshall Jefferson, Chip E.)
Ambient (Brian Eno, Vangelis)

90er Jahre

Grunge (Nirvana, Dinosaur Jr., Pearl Jam)
Drum ’n’ Bass (Amon Tobin, Squarepusher)
Postrock (Tortoise, Godspeed You Black Emperor!, Mogwai)
Stoner Rock (Kyuss, Monster Magnet, Queens Of The Stone Age)
Trip Hop (Portishead, Massive Attack)
Trance (KLF, Sven Väth, Paul van Dyk)

Tja, und dann wollte ich die 2000er Jahre aufschreiben, aber ich wusste wirklich nicht, was ich da erwähnen sollte? Alles, was mir eingefallen ist, waren Subgenres oder kurzfristige Moden und Stile innerhalb eines bestehenden Genres: Dubstep, Nu-Metal, Djent, Balkan Beats, Electro Swing.

Retro-Trend und Stakkato Rock

Von den Genres abgesehen gab es aber schon gewisse Phänomene, welche die 2000er prägten. Das deutlichste davon dürfte der Retro-Trend sein, der im Prinzip bis heute anhält (alles folgende bezieht sich nicht nur auf die 2000er sondern auf die Gegenwart bis heute):

1. Es wurden viele ältere Musiker und Bands wiederentdeckt (z.B. Nick Drake, The Sonics)
2. Es gab viele Reunions/Comebacks von alten Künstlern (z.B. Led Zeppelin, Yusuf Islam, Johnny Cash, Bruce Springsteen, Iron Maiden)
3. Viele junge Bands erinnerten klanglich an Bands der 60er, 70er und 80er Jahre

Der dritte Punkt ist natürlich am interessantesten: Wir konnten in den letzten Jahren mehrere Revivals beobachten, bei denen junge Musiker mit Erfolg stilistisch an alte Zeiten anknüpften, ohne dabei wirklich neue Genres zu schaffen. Beispiele dafür sind der Folk-Rock der 60er und 70er (The Unthanks, Fleet Foxes, Mumford & Sons), Psychedelic Rock der 60er (Yeasayer, Tame Impala), Bluesrock der 60er (White Stripes, The Black Keys), Glamrock der 70er (The Darkness) oder Soul (Amy Winehouse, Adele).

Am auffälligsten waren natürlich die großen Scharen von Indie-Bands, die plötzlich eine Mixtur aus Sixties-Garage, Surf-Rock und Post-Punk zelebrierten. Den Startschuss dafür gaben die Strokes, es folgten etliche andere wie Franz Ferdinand, die Editors oder White Lies. Auch wenn es komisch klingt, aber vielleicht ist durch diese Bands das einzig wirklich neue Genre der letzten Jahre entstanden, das ich mangels eines besseren Begriffs „Stakkato Rock“ nennen würde (möglich wäre auch „Karotten-Jeans Rock“ :). Ich weiß zwar nicht, ob es eine dazugehörige Jugend- oder Subkultur gibt, aber zumindest musikalisch kann man deutlich hören, wie beim Stakkato Rock die stoischen Rhythmen von Post Punk-Bands wie Joy Divsion oder The Cure mit dem treibenden Stakkato alter Surf Rock-Bands und der Rotzigkeit von Garage-Bands wie den Sonics zu etwas so noch nicht Gehörtem vermählt wurden. Die Band, die dieses „Genre“ bislang am konsequentesten verdichtet hat, sind in meinen Ohren übrigens The Drums.

Abseits vom Mainstream gibt es natürlich auch noch viele kleinere Entwicklungen, die in neue Genres münden könnten: So beobachte ich beispielsweise seit einigen Jahre die Verschmelzung von Black Metal und Postrock zu … tja, was eigentlich? Post Metal? Black Gaze? Wir können nur abwarten.

Neue Instrumente = neue Musik

Was könnte der Grund für diesen Tod der Genres sein? „Die Rockmusik ist jetzt gerade mal etwas über 60 Jahre alt, aber sie wirkt auf mich schon ausgebrannt. Jedes Extrem, jeder Hybrid wurde bereits ausprobiert und erreicht“, sagte Steven Wilson von Porcupine Tree im Musikmagazin Eclipsed (Ausgabe 131, S. 52, 2011). Ist dem wirklich so? Die bisherigen Beobachtungen scheinen das zu bestätigen, doch um die Situation besser zu verstehen, müssen wir uns fragen, wie Musik überhaupt etwas Neues hervorbringen kann?

Es gibt grob gesagt drei Einflüsse, durch welche Neues produziert wird:

1. Die Musik, die es schon gibt
2. Neue Technik
3. Veränderung der gesellschaftlichen und sozialen Verhältnisse

Der erste Punkt ist relativ selbsterklärend: Alle Musiker wollten anfangs Musiker werden, weil sie die Musik von anderen Musikern gehört hatten. Jeder Musiker spielt oder singt deshalb erstmal die Songs seiner Vorbilder nach. Der erste Kontakt mit der Musik, die es bereits gibt, erfolgte früher meist über das Radio oder den Plattenschrank der Eltern.

Damit kommen wir schon zum zweiten Punkt, nämlich neuer Technik: Dank des Internets braucht man heute beispielsweise nicht mehr das Radio, das einem nur die Gegenwart vorspielt, oder den Plattenschrank der Eltern, mit dem man bis zu 20 Jahre in die Vergangenheit schauen konnte. Im Netz kann man ohne Schwierigkeiten hunderte Jahre Musikgeschichte überblicken und aus jeder Zeit etwas hören.

Der dritte Punkt meint zum einen, dass Musik immer die Verhältnisse widerspiegelt, in denen sie produziert wird: Punk und Metal konnten nur entstehen, weil die 70er Jahre eine Zeit voller Unsicherheit, Desillusion und politischen Pessimismus’ waren. Zum anderen haben die sozialen Verhältnisse natürlich Auswirkungen auf die Zahl der Menschen, die es sich leisten können, Musik zu machen, Instrumente zu kaufen und ihre Zeit darauf zu verwenden.

Man könnte sagen, vor allem in Punkt 2 und 3 hat sich in den letzten Jahren (zumindest in der westlichen Welt) zu wenig getan, was die Musik stilistisch hätte erneuern können. Neue Technik meint schließlich auch neue Instrumente und neue Klänge, die damit erzeugt werden können: Ohne E-Gitarre kein Rock ’n’ Roll, ohne Syntheziser kein Electro, ohne Mellotron kein Prog. Auch Drogen könnte man unter neue Techniken zählen: Ohne LSD und Marihuana wäre der Psychedelic Rock inklusive der Hippie-Kultur der 60er so nicht denkbar gewesen, und Techno hätte ohne Ecstasy auch anders ausgesehen. Wer weiß – vielleicht entstehen mit einem Schlag neue Genres, sobald völlig neuartige Instrumente oder Drogen erfunden werden? Und auch wenn es zynisch klingt: Möglicherweise „bietet“ unsere Gegenwart zu wenig sozialen Sprengstoff, um neue Musik-Genres zu provozieren. Also machen wir es uns im postmodernen Retro gemütlich.

Jugend ohne -Kultur?

Vielleicht müssen wir uns einfach vom Konzept des Musik-Genres verabschieden: Durch die neue Technik des Internets und die gesellschaftlichen Veränderungen der Globalisierung richten sich Musiker immer weniger an großen Genres aus wie an Partei-Blöcken. Stattdessen kommt es zu einer Demokratisierung und Aufspaltung in kleinere „Privat-Stile“: Nicht mehr zehn Bands folgen einem Genre, jede Band und jeder Musiker kann sein eigenes „Genre“ sein. Beispiele dafür sind Andrew Bird, The Mars Volta, Midlake, Queens Of The Stone Age, Sufjan Stevens, Radiohead, Tenhi, Arcade Fire, Alt-J, Tool, Gorillaz oder Animal Collective. All diese Musiker besitzen entweder einen Privat-Stil, aus dem kein eigenes Genre entstanden ist (Queens Of The Stone Age bspw. sagen, sie spielen „Roboter Rock“) oder pflegen einen Eklektizismus der Stile (Mars Volta, Alt-J, Arcade Fire, Sufjan Stevens). Meister in zweiterer Kategorie sind für mich Arcade Fire, die mit ihrem modernen aber auch Retro-geschwängerten Sound vielleicht die Band ist, welche die 2000er Jahre am besten repräsentiert.

Aber ist der Begriff Retro überhaupt zutreffend? Im Lauf der letzten Jahre kamen Musikkritiker immer mehr in Verlegenheit, als sie feststellten, dass fast die Hälfte aller neuen Bands irgendwie Retro zu sein schien. Dies muss man sicherlich revidieren, denn in den meisten Fällen war der klangliche Rückgriff auf die Vergangenheit ja kein Akt der Nostlagie, sondern des Eklektizismus’. Es ist sinnlos, von Retro zu sprechen, nur weil heutige Musik auf Quellen zurückgreift, die älter als 10 Jahre sind. Dank der Freiheit des Internets gibt es für viele Musiker nicht die alleinige Fokussierung auf ein Genre, aus dem linear das nächste folgt, weil hundert andere Musiker sich ebenfalls ausschließlich mit diesem Genre beschäftigen. Stattdessen hören heute hundert Musiker hundert unterschiedliche Genres und Stile, welche sie auch alle in ihre Songs einzuarbeiten versuchen, wodurch eine eklektizistische Musik „zwischen allen Stilen“ entsteht. Es gilt die postmoderne Feststellung: Es gibt keine Ideologien mehr, es gibt nur noch Projekte.

Möglicherweise ist uns durch die digitale Verfügbarkeit bzw. die Zugänglichmachung alter Musik klar geworden, dass es ja bereits sooo viel verschiedene Musik gibt, weshalb wir einfach nicht mehr den Hunger auf neue Genres haben, die uns den „Soundtrack“ zu einem jeweils neuen Lebensgefühl verleihen. Stattdessen können wir uns durch unsere gewaltige Musiksammlung klicken und finden zu jeder Lebenslage, zu jedem Anlass und zu jeder Stimmung, in der wir uns befinden, die passende Musik, die es bereits seit langer Zeit gibt. Ob dies zu völlig neuen Verknüpfungen oder einem bloßen Schwelgen in der Vergangenheit führen wird, muss sich noch zeigen.

Diese Entwicklung verhindert auch die Entstehung neuer Jugend- und Subkulturen, welche ja oft mit bestimmten Musik-Genres verknüpft sind. Der Schriftsteller Klaus Farin antwortete in einem Interview auf Spiegel Online auf die Frage, warum es keine großen Jugendkulturen mehr gebe:

„Sie haben keine Zeit mehr dazu. Neue Trends werden so schnell von Medien aufgegriffen und zum Mainstream geformt, dass das langsame Heranwachsen einer großen Jugendkultur kaum mehr möglich ist. Damit eine Jugendkultur so groß werden kann wie etwa HipHop, müssten sich die Medien mit dem Phänomen kontinuierlich drei Jahre beschäftigen. So viel Zeit gibt es aber nicht mehr. Deswegen wird es kleinteiliger und schnelllebiger – was ja nicht schlecht sein muss.“

Bis in die 90er Jahre hinein hat die Musik, die man als Jugendlicher hörte, bestimmt, wie man sich anzog, welche Haltung man einnahm, welche Drogen man konsumierte, mit welcher Gruppe man sich identifizierte, usw. Heute kann man sich nicht mehr an ein Lager klammern, man muss einen individuellen Privat-Geschmack finden, den man sich Patchwork-artig kreiert (vergleichbar etwa mit dem „esoterischen Gemischtwarenladen“ im Bereich Religion). Und wie soll sich eine Fankultur bilden, wenn die dazugehörigen Bands konträr zur medialen Schnelllebigkeit nur alle drei bis fünf Jahre ein neues Album rausbringen, so wie es heute oft der Fall ist? Man vergleiche das mit den jährlich ein bis zwei Alben, die Rock- und Popbands der 60er Jahre veröffentlichten.

Angesichts dieser Entwicklung müsste es gegenwärtig eigentlich wieder zu einer ausgeprägten Single-Kultur kommen wie in den 60ern oder 80ern, während die Kunstform des Albums an Bedeutung verliert (nicht zuletzt durch seine Zerstückelung in mp3’s). Dass dem nicht so ist, mag vielleicht mit dem Niedergang des Radios und des Musik-Fernsehens zusammenhängen, die früher als klassische Single-Vermittler fungierten. Möglicherweise ist weder die Single, noch das Album noch die EP das Format der Gegenwart, sondern die Playlist, von denen für jede Lebenssituation eine auf dem Rechner, dem Smartphone oder in der Cloud gespeichert ist.

Vielfalt des Neuen oder Zementierung des Alten?

Die digitale Demokratisierung der Musik vollzieht sich natürlich nicht nur auf klanglicher Ebene: Durch das Internet können Bands schnell und mit geringem Aufwand an allen klassischen Gatekeepern wie Labels, Radiosendern und Musikpresse vorbei ihre eigene Öffentlichkeit schaffen. Die Arctic Monkeys beispielsweise wurden erst durch ihre große Fanbase im Internet berühmt und Radiohead demonstrierten 2007 mit „In Rainbows“, dass man nur eine Webseite mit einem Download-Button braucht, um Alben zu verkaufen.

Man sollte meinen, durch das World Wide Web müsste auch eine Unmenge Musik aus anderen Ländern und Kontinenten zu uns rüberschwappen, aber solch ein Trend konnte bislang kaum beobachtet werden. Das Gegenteil ist der Fall: Im asiatischen Raum ist der Einfluss der westlichen Popmusik in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Es erfüllt sich die Gesetzmäßigkeit, dass der Mensch angesichts einer riesigen Auswahl den Wunsch verspürt, daraus das Wichtigste zu selektieren. Also hält er sich an das, was er sowieso schon kennt, weshalb die Großen im Internet nur noch größer werden. Daneben tun sich zwar Myriaden von Nischen auf, die man ebenfalls beachten könnte, die aber schlicht zu unübersichtlich sind – ganz ohne selektierende Gatekeeper geht es halt auch nicht. Neben klassischen Institutionen wie Labels haben sich im Netz aber auch neue Formen des Filterns und Selektierens herausgebildet, um der Musik-Schwemme Herr zu werden: Zu nennen wären etwa last.fm, die Ranking-Plattform Rate Your Music oder die Empfehlungsmechanismen bei Amazon.

Ich denke nicht, dass die Rock- und Popmusik am Ende ist, ich glaube aber, dass sie sich am Beginn eines Wandlungsprozesses befindet, dessen Ergebnisse sich vielleicht erst in 10 oder 20 Jahren wirklich zeigen werden: Dann nämlich, wenn die Bands von heute die Vorgänger der Bands von morgen sind. Dann wird sich zeigen, was die zukünftigen Musiker aus der seltsam eklektischen, demokratischen, postmodernen Musik unserer Gegenwart machen werden.

Zum Weiterlesen: „Retromania“ (Simon Reynolds)

4 thoughts on “Der Tod der Genres – die Demokratisierung der Musik

  1. Pingback: The Matik 66 – Die Musik der Nullerjahre | funkUP – Campusradio Potsdam

  2. Schöner Artikel! Man könnte aber auch meinen, dass das heutige Überangebot an allem viele eher betäubt als inspiriert und generell eher auf schnelle Lösungen (schnelle Erfolge) gesetzt wird anstatt ins Detail zu gehen. Warum was Neues versuchen, wenn es relativ einfach scheint alte Standarts wiederzubeleben? Dabei jedoch die Essenz derer oft gar nicht zu erkennen ist das wirklich Schlimme. Die Musik der 60er und 70er ist ja nicht nur der Sound an sich, sondern das Gesamtkonzept, dass beim „schnellkopieren“ oft verlorengeht bzw. heutzutage zu oft scheinbar mit Marketingkonzepten ersetzt wird. Warum sollte man denn also zum zehntausendsten Mal ein „Retroalbum“ kaufen (geschweige denn hören), dass wie 1972 klingt, aber nichts Neues bringt. Keinen neuen Sound, keine neue Aussage, nichts außer einem Produkt. In diesem Sinne hoffe ich eher wieder auf mehr echte Musiker. Auf Nick Drakes, Joni Mitchells, Neil Youngs, die vor allem auch etwas zu sagen haben. Alles andere ist am Ende auch eher Nebensache.

    • Ich bin da wie gesagt zwiegespalten: In den 60ern haben viele Bands auch nur versucht, ihren Blues-Helden nachzueifern, aber es ist dennoch etwas Neues daraus entstanden. Vielleicht überhöhen wir den Faktor „Originalität“ heute einfach zu sehr. Andererseits stelle auch ich fest, dass musikalische Persönlichkeiten ala Neil Young, David Bowie, Beatles, usw. heutzutage kaum noch auftauchen.

      Vielleicht ist es aber falsch, immer wieder diesen Vergleich mit der Kreativ-Explosion der Vergangenheit zu ziehen, denn die läßt sich natürlich so nicht wiederholen. Möglicherweise verdeckt das nur den Blick auf unsere heutige Musik, die definitiv auch ihre Stärken hat.

  3. Pingback: Die Demokratisierung der Musik | Perlen der Popgeschichte

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