Mehrsprech – „Do-ocracy“

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Kurz-Definition: Do-ocracy ist die „Regierungsform“ selbstorganisierter Gruppen, die nach dem Credo „Wer macht, hat Recht“ agieren

Wer mit dem Wort „Anarchismus“ nur negative Dinge verbindet, wird sich wundern, wie oft er oder sie schon selbst anarchistisch war: Bei der Organisation von Geburtstagen, beim Leben in einer Wohngemeinschaft, beim Arbeiten an einem gemeinschaftlichen Projekt, … Wer in solchen Fällen die Initiative ergreift, sich freiwillig für Aufgaben meldet und „einfach mal macht“, der ist Teil einer „Do-ocracy“.

 Do-ocracy ist ein Kofferwort aus „Do“ und „Democracy“ und kann als die „Regierungsform“ für selbstorganisierte Gruppen und Prozesse mit flachen Hierarchien und wenig Bürokratie betrachtet werden. „Wer macht, hat Recht“ – die Macht geht von denen aus, die etwas von sich aus tun möchten, Aufgaben werden nicht delegiert, sondern einfach angenommen. Wenn man etwas macht, tut man dies nicht wegen des Lohns, sondern weil man Spaß daran hat, die Notwendigkeit dafür sieht und man soziale Anerkennung dafür erhält. Continue reading

Studententyp No. 6 – Das Versuchskaninchen

Versuchskaninchen

Merkmale:

– finanziert das Studium als Testperson für Medikamente und Rattengift

– fällt in Seminaren gelegentlich durch Hyperventilation, Epileptische Anfälle, Brechdurchfall, Schluckauf und Haarausfall auf – oft alles gleichzeitig

– glüht ein bisschen

– niemand will neben ihm/ihr sitzen, aber alle wollen eine Hausarbeit über ihn/sie schreiben

Mehrsprech – „Liberal-Extremismus“

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Kurz-Definition: „Liberal-Extremismus“ bezeichnet radikale und antidemokratische Strömungen innerhalb des Liberalismus, die den Staat zu Gunsten der Märkte minimieren wollen.

Liberal“ ist ein schizophrener Begriff: Zum einen wird er klassisch als „freiheitlich“ verstanden (Stärkung des Individuums und der Bürgerrechte), zum anderen verbinden mittlerweile viele Menschen „liberal“ mit einer einseitigen Begünstigung und Deregulierung der Wirtschaft gegenüber dem Sozialwesen, der Bildung, der Umwelt und den Bürgerrechten. Für diese Verschiebung haben sich unter anderem Bezeichnungen wie Wirtschaftsliberalismus oder Neoliberalismus eingebürgert, doch ich finde, wir bräuchten eher einen Begriff, der allgemeiner und schärfer die Auswüchse wirtschaftsliberaler Politik und ihrer Gefahren einordnet.

Es macht daher Sinn von „Liberal-Extremismus“ zu sprechen, um klar zu machen, dass es nicht nur an den politischen Polen „rechts“ und „links“ extremistische Tendenzen geben kann, sondern auch im vermeintlich gemäßigten Liberalismus. Wenn wir uns die heutige Welt ansehen, in der große Unternehmen ihre Interessen rücksichtslos durchsetzen können, deregulierte Finanzmärkte ganze Volkswirtschaften bedrohen und Wirtschaftsverbände stellenweise mehr Macht zu besitzen scheinen, als Staaten, müssen wir uns fragen, ob Liberal-Extremismus nicht mindestens genauso gefährlich ist, wie Rechts- oder Linksextremismus – wenn nicht sogar gefährlicher. Continue reading