Mehrsprech – „Do-ocracy“

Mehrsprech1

Kurz-Definition: Do-ocracy ist die „Regierungsform“ selbstorganisierter Gruppen, die nach dem Credo „Wer macht, hat Recht“ agieren

Wer mit dem Wort „Anarchismus“ nur negative Dinge verbindet, wird sich wundern, wie oft er oder sie schon selbst anarchistisch war: Bei der Organisation von Geburtstagen, beim Leben in einer Wohngemeinschaft, beim Arbeiten an einem gemeinschaftlichen Projekt, … Wer in solchen Fällen die Initiative ergreift, sich freiwillig für Aufgaben meldet und „einfach mal macht“, der ist Teil einer „Do-ocracy“.

 Do-ocracy ist ein Kofferwort aus „Do“ und „Democracy“ und kann als die „Regierungsform“ für selbstorganisierte Gruppen und Prozesse mit flachen Hierarchien und wenig Bürokratie betrachtet werden. „Wer macht, hat Recht“ – die Macht geht von denen aus, die etwas von sich aus tun möchten, Aufgaben werden nicht delegiert, sondern einfach angenommen. Wenn man etwas macht, tut man dies nicht wegen des Lohns, sondern weil man Spaß daran hat, die Notwendigkeit dafür sieht und man soziale Anerkennung dafür erhält.

Wikis, Festivals, WG’s

Schöpfer der Do-ocracy-Idee sind Sean Haugh und Michael Gilson-De Lemos von der US-amerikanischen Libertarian Party. Populär ist der Do-ocracy-Gedanke vor allem in der Open Source– und Wiki-Bewegung (die Wikipedia ist selbst eine gewaltige Do-ocracy). Im Prinzip spielt Do-ocracy in allen Initiativen und Gruppen eine große Rolle, die stark von ehrenamtlicher Tätigkeit getragen werden, zum Beispiel auf Festivals.

Der Vorteil von Do-ocracys liegt darin, dass sich diejenigen sich um eine Aufgabe kümmern, denen diese Aufgabe am meisten am Herzen liegt; dass diese Personen nicht immer die Qualifiziertesten sind, ist ein Nachteil der Do-ocracy. Es kann auch passieren, dass Einzelne sich zu Allein-Bestimmern aufschwingen, oder dass die Motivation für eine Aufgabe plötzlich nachlässt. Dennoch sind Do-ocracys gerade für kurzfristige Projekte eine enorm effektive Weise, Dinge auf die Beine zu stellen. Zudem motviert es ungemein, einfach selbst bestimmen und Ideen umsetzen zu können.

Ich finde den Begriff Do-ocracy sehr erhellend, weil ich durch ihn erstmals verstand, was mit dem eher abstrakten Wort „Selbstorganisation“ eigentlich gemeint war. Seitdem fällt es mir leichter, nachzuvollziehen, wie sich bestimmte Gruppen überhaupt organisieren. Außerdem hilft es mir, Organisationsprozesse in meinem eigenen Alltag selbstbewusster wahrzunehmen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.