Mehrsprech – „Kollateralnutzen“

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Kurz-Definition: Kollateral-Nutzen sind ungeplante, positive Neben-Effekte von Handlungen, die auf etwas ganz anderes abzielten oder negativer Natur sind

Als das Internet sich immer stärker verbreitete und die ersten Flatrates angeboten wurden, stieg auch das illegale Herunterladen von Musik, Filmen und Software. Mit diesem Nutzungsdruck stieg jedoch auch der rasante Breitbandausbau, weshalb man sagen könnte, dass Internet-Piraterie massiv zur derzeitigen digitalen Infrastruktur beigetragen hat.

Dies war so nicht geplant – es handelte sich schlicht um einen Kollateralnutzen. Immer wieder passiert es, dass Menschen durch ihr Handeln zufällig positive Nebeneffekte hervorrufen, obwohl das gar nicht ihre Absicht war oder ihr Tun sogar schädlicher Natur war.

Ein Beispiel sind die Rodung von Wäldern im Mittelalter, um Jagdgebiete für den Adel zu schaffen – nicht sehr umweltfreundlich, aber dank dieser Rodungen sind heute noch große Grünanlagen in der Landschaft erhalten (vgl. auch die Naturreservate rund um Tschernobyl oder in der demilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea). Auch gut Gemeintes kann einen unerwarteten Kollateralnutzen aufweisen: So war das Potenzmittel Viagra eigentlich als Herzmedikament entwickelt worden.

Das Richtige aus den falschen Gründen tun

Mein Lieblingsbeispiel ist der aktuelle Veganismus-Trend: Immer mehr Menschen ernähren sich vegan, ohne dass sie sich zuvor intensiv mit den ethischen und politischen Gründen für Veganismus auseinandergesetzt haben. Sie ernähren sich vegan aus Gründen des Life-Styles, der Gesundheit oder aufgrund des Bedürfnisses nach kulinarischer Abwechslung.

Auch wenn mancher darüber die Nase rümpfen mag: Mode-Veganer schützen ebenso Tiere, auch wenn das gar nicht ihr erstes Ziel ist. Das Wohl der Tiere ist der Kollateralnutzen von Mode-Veganismus und entspricht damit meinem persönlichem Credo „Das Richtige aus den falschen Gründen tun“. Oder, um den Blogger Andreas Zeuch zu zitieren: „Durch eine genaue Prüfung des Kollateralnutzens eines Ereignisses entsteht ein neuer Möglichkeitsraum.“

Abfallprodukte der Menschheit

Der Begriff des Kollateralnutzens rückt gleichzeitig die Perspektive zurecht, wenn man feststellt, das Errungenschaften der Menschheit eigentlich nur zufällige Abfallprodukte waren, die man zwar nicht wollte, aber deren Entstehung man schulterzuckend akzeptierte.

Verwandt mit dem Phänomen des Kollateralnutzens sind Unbeabsichtigte Folgen, Serendipität oder Spin-Offs (Erfindungen, die für etwas genutzt werden, wofür sie gar nicht gedacht waren). Man kann den Kollateral-Nutzen auch als „Glück im Unglück“ interpretieren, zum Beispiel wenn man sich in der Stadt verläuft, und dabei durch Zufall einen Park, ein interessantes Restaurant oder Ähnliches entdeckt.

Nachtrag: Ich bin gerade über einen anderen Begriff gestolpert, der in eine ähnliche Richtung geht wie Kollateralnutzen – „Serendipity-Effect„. Gemeint ist der Effekt, wenn man einen Schatz findet, den man gar nicht gesucht hat (z.B. die Entdeckung Amerikas).

One thought on “Mehrsprech – „Kollateralnutzen“

  1. Hallo Herr Wenk,

    vielen Dank für diesen schönen Beitrag zum Kollateralnutzen und das Link zu meinem Beitrag. Ich habe eben den Post hier auf unserer Seite als Link am Ende meines Beitrags eingefügt und den Post noch getwittert.

    Herzliche Grüße
    Andreas Zeuch

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