Indische Beobachtungen 3 – Multireligiösität, Hautbleichung und Gewichtszunahme-Produkte

Indische Beobachtungen

Multireligiösität

In Deutschland gibt es ja immer noch viele Menschen, die bei einem Satz wie „Der Islam gehört zu Deutschland“ empört nach Luft schnappen und die nächste Blödiga-Demo starten, sobald sie ein Minarett sehen. In diesem Punkt hat Indien Deutschland wirklich etwas voraus, denn insbesondere in Südindien leben Hindus, Muslime, Christen, Sikhs und Jains völlig selbstverständlich nebeneinander, und zwar im ganz buchstäblichen Sinne: Einmal habe ich tatsächlich eine Moschee gesehen, die direkt neben einer christlichen Kirche stand – in Deutschland unvorstellbar! Ich habe sogar hin und wieder Sticker und kleine Schreine gesehen (z.B. in Bussen), auf denen Jesus, Krishna/Ganesh und die Kaaba/eine Moschee friedlich nebeneinander dargestellt waren.

Ein kleiner Schrein mit Ganesh, Jesus und der Kaaba, fotografiert in einem Bus

Ein kleiner Schrein mit Ganesh, Jesus und der Kaaba, fotografiert in einem Bus

Ich finde das bemerkenswert, denn in Indien gibt es aufgrund des endlosen Konflikts mit Pakistan (siehe Kashmir) leider immer wieder mal terroristische Anschläge mit islamistischen Hintergrund. Angesichts dessen geht man nach meiner Wahrnehmung in Indien ziemlich locker mit dem Nebeneinander so vieler Religionen um. Continue reading

Indische Beobachtungen 2 – Hupen, Hakenkreuze und heilige Bärte

Indische Beobachtungen

Hupen

Auto-Hupen sind ein in Deutschland relativ sparsam eingesetztes Signal, um andere Verkehrsteilnehmer auf ihr Fehlverhalten hinzuweisen. In (süd)indischen Großstädten hingegen ist das Hupen ein nahezu gewohnheitsmäßiges Kommunikationsmittel, deren Benutzung eher die Regel als die Ausnahme ist. In anderen Worten: Es wird einfach ununterbrochen gehupt, im Schnitt benutzt jeder Verkehrsteilnehmer die Hupe etwa alle drei bis fünf Sekunden (so am extremsten erlebt in Chennai).

Dazu muss man wissen, dass auf Straßen egal welcher Größe die Regel gilt: Man fährt überall, wo Platz ist. Und da viele Inder mit Motorrädern und Motorrollern fahren, gibt es natürlich dauernd Lücken, in die man hineinschlüpfen kann. So ist der normale Verkehr ein ständiges Überholen und Überholtwerden, und das Hupen dient dazu um a) die anderen Verkehrsteilnehmer aus Sicherheitsgründen zu informieren, dass man jetzt überholt und b) als Aufforderung, bitte Platz zu machen. Dann gibt es noch das prophylaktische Hupen: Wenn man in eine schwer einsehbare Kurve einbiegt oder auf einer gerade Straße jemand zu nah am Straßenrand läuft, hupt man vorsichtshalber auch immer, um Unfälle zu vermeiden (dennoch sind Unfälle alltäglich). Continue reading

Indische Beobachtungen 1 – Truck Art, Küssen und Chemical Brothers

Indische Beobachtungen

Truck Art

Eines der Dinge, die ich in Indien sofort mochte, waren die Trucks und LKWs, die man auf der Straße sieht. Während man europäische Fernfahrer-LKWs ja vor allem als triste Ungetüme kennt, die industrielle Freudlosigkeit ausstrahlen, können es manche indische LKWs locker mit einem Hippie-Bus von 1967 aufnehmen. Jeder dieser LKWs ist individuell bemalt und voller bunter Ornamente und Schriftzüge, manche sind enorm aufwändig gestaltet und haben sogar eine holzgeschnitzte Fahrerkabine, die natürlich ebenfalls bunt bemalt ist. Solche Vehikel würde man in Europa höchstens auf der Fusion sehen, hier fahren sie einfach so auf der Straße. Anscheind hat diese „Truck Art“ seinen Ursprung darin, dass die Besitzer von Reittieren diese früher auch bunt schmückten.

In der ersten Version dieses Artikels hatte ich noch nicht so viele Fotos von den bunten Trucks, das liefere ich hier mal nach:

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Ich bin übrigens selbst einen Tag als Tramper mit so einem Truck mitgefahren, der sah aber leider ganz normal aus.

Seinen Ursprung hat die Truck Art anscheinend in Pakistan, wo die Trucks noch viel spektakulärer aussehen. Es gibt auch eine Doku über die indischen Trucks namens „Horn Please“ – auf jedem dieser Trucks steht hinten nämlich „Horn Please“ „Sound Horn“ oder Blow Horn“ drauf – das ist wörtlich gemeint, aber über das Thema Hupen berichte ich das nächste Mal. Continue reading