Mehrsprech – „Abjekt“

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Kurz-Definition: „Abjekte“ sind Dinge, um die ein Grossteil der Menschen einen geistigen Bogen macht, weil sie unverständlich, fremdartig, unmöglich, angsteinflößend oder ekelerregend sind.

Namen für unangenehme Dinge zu finden, ist oft nicht leicht. Namen für etwas zu finden, um das alle geistig einen Bogen machen, ist noch schwerer. Zumindest gibt es einen Namen für dieses Phänomen an sich: Abjekt.

Im Gegensatz zum Objekt, das der Gegenstand der allgemeinen Aufmerksamkeit ist, ist das Abjekt eine Art Leerstelle, mit der sich niemand beschäftigen will. Eingeführt wurde das Wort 1980 von der französischen Psychologin und Literaturwissenschaftlerin Julia Kristeva, die in ihrem Buch „Pouvoirs de l’horreur. Essai sur l’abjection“ von „Abjektion“ (Verwerfung) sprach, um die Beziehung einer Person zu etwas Ekelerregenden zu beschreiben. Laut Kristeva diene die Abjektion, um sich mit seinen Ängsten zu konfrontieren und so die psychische Grenzziehung zwischen dem „Selbst“ und dem „Anderen“ zu ermöglichen.   Continue reading

Die fünf Arten von Autoren

Warum manche Kinderbücher besser sind als „ernsthafte“ Literatur, was Erzähler und Stilisten unterscheidet, und warum manche Autoren „Fabulierer“ oder „Atmosphäriker“ sind.

Ich hab da so ’ne Theorie: Man kann Schriftsteller grob in fünf Kategorien einteilen – Stilisten, Erzähler, Ideenreiche, Beschreiber und Beobachter. Ich gebe zu, dass es relativ allgemeine und konventionelle Kategorien sind; Dinge wie das Experimentieren mit der Form oder das Erschaffen von guten Charakteren sind nicht gesondert berücksichtigt worden. Auch lässt sich die individuelle Qualität eines Schriftstellers kaum durch dieses Raster erfassen, ein Autor wie Kafka etwa ist zwar ein guter Beobachter und stilistisch versiert, doch seine Faszination lässt sich unmöglich durch diese Kategorien beschreiben – das gilt natürlich auch für die anderen genannten Autoren, die alle gänzlich individuelle Qualitäten besitzen. Continue reading