Mehrsprech – „Verkehrswende“

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Kurz-Definition: „Verkehrswende“ meint die Änderung des Auto-zentrierten Verkehrswesens hin zu mehr ÖPNV, E-Mobilität, usw., sowie und eine Änderung des eigenen Mobilitätsverhaltens

Das Wort „Energiewende“ ist uns mittlerweile sehr geläufig. Meist stellt man sich dabei Dinge wie Windkrafträder und Solar-Panels vor, die grünen Strom für die heimische Steckdose produzieren. Es ist jedoch zu beobachten, dass beim Thema Energiewende selten über Verkehrspolitik geredet wird, obwohl der Verkehr für rund 20 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich ist. Es reicht eben nicht, nur Kohlekraftwerke durch Windräder zu ersetzen, auch eine Verkehrswende ist nötig.

Mit Verkehrswende ist nicht nur gemeint, anstatt fossiler Brennstoffe Wasserstoffantriebe oder elektrische Brennstoffzellen zu verwenden – also eine Rohstoffwende durchzuführen – es meint ein generelles Umdenken weg vom PKW als dem Fortbewegungsmittel Nummer 1. In urbanen Gegenden werden immer weniger Autos gekauft, ja sogar immer weniger Führerscheine gemacht, da man stattdessen ÖPNV fährt, mit dem Fahrrad oder E-Bike unterwegs ist oder einfach mal zu Fuß geht. Um dies zu fördern müssten Schnellradwege ausgebaut werden, Bus- und Bahnverkehr erweitert und mehr Car-Sharing angeboten werden.

Dies hat nicht nur einen ökologischen Aspekt, sondern fördert auch die Lebensqualität: Weniger Lärm, weniger Abgase, weniger Straßen, die Städte zerschneiden und als Lebens- und Aufenthaltsraum entwerten. Auch für Autofahrer selbst wäre dies ein Gewinn: Freiere Straßen und weniger Parkdruck in der Innenstadt.

Die Autobahn in den Köpfen

Gegenwärtig hat jedoch Autobahn- und Straßenbau weitaus größere Priorität als der Ausbau von ÖPNV-Infrastruktur. Die Wende muss – wie immer – auch im Kopf von statten gehen: Während das Fahren und Unterhalten eines PKWs monatlich Hunderte Euro kostet, wird dies (bislang) noch nicht als teuer empfunden sondern hingenommen, ein ÖPNV-Monatsticket für 50 Euro hingegen gilt als teuer.

Bislang ist der Begriff Verkehrswende selten in Debatten verwendet worden. Vielleicht liegt das daran, dass das Auto für Deutsche nicht nur ein wirtschaftlicher Faktor ist, sondern auch ein Kultobjekt – möglicherweise macht man sich hierzulande ziemlich schnell unbeliebt, wenn man eine Verkehrswende fordert. Vielleicht ist es tatsächlich unklug, den Begriff allzu prominent zu verwenden, weil dies der Sache der Energiewende letztlich sogar schaden könnte. Dennoch ist es ein wichtiger Begriff, der hilft, die Verkehrspolitik bei der Energiewende mitzudenken und zudem die Tragweite dieser Wende verdeutlicht.

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